Bausparverträge, Vorfinanzierung und Abgeltungssteuer

Bausparverträge erwirtschaften Guthabenzinsen, die als Kapitalerträge zu betrachten sind.

In den Fällen, in denen Bausparverträge mit Auffüllkrediten oder Vorfinanzierungsdarlehen verbunden sind, um eine selbst genutzte Immobilie zu finanzieren, stehen den Guthabenzinsen entsprechende Schuldzinsen aus den Darlehen gegenüber. Wird der Bausparvertrag zuteilungsreif, so wird das Bausparguthaben und das neue Bauspardarlehen dazu verwendet, den ursprünglichen Darlehensvertrag, der der Vorfinanzierung diente, abzulösen.

Im Zuge der Einführung der Abgeltungssteuer ist zu beachten, daß nach Auffassung der Finanzverwaltung die aus den Bausparverträgen erwirtschafteten Guthabenzinsen der Einkunftserzielungsabsicht unterliegen und daher mit Abgeltungssteuer zu belegen sind.

Da nach Einführung der Sparer-Pausch-Beträge weitere Schuldzinsen für die Finanzierung einer Immobilie nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können, unterliegen die überschüssig erzielten Zinsen der Besteuerung.

Das Bundesministerium der Finanzen enthält eine Billigkeitsregelung, sofern Finanzierungsverträge vor dem 30.06.2010 abgeschlossen worden sind und alle diejenigen Fälle berücksichtigt, bei denen der Steuerpflichtige disponiert hatte und seine Finanzierungs- und Bausparsituation nicht ohne Weiteres ändern kann.

Auch wird beispielsweise die Alternative diskutiert, nach der Anbieter von Bausparverträgen und Vorfinanzierungsdarlehen die Bausparguthaben unverzinslich anlegen und den Darlehenszins senken, so daß keine Guthabenzinsen erwirtschaftet werden, die der Abgeltungssteuer unterliegen.

Eigentümer von selbst genutzten Immobilien, die auf diesem Wege ihre Finanzierung aufgebaut haben, mögen sich ggfs. hierzu steuerlich beraten lassen.

(entnommen aus „Das BMF-Anwendungsschreiben zur Abgeltungssteuer“, Regierungsdirektor Matthias Hänsel, NWB Heft 13/2010 S. 976 – 977)