Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte: taggenaue Berechnung bei Dienstwagen

Mitarbeiter von Unternehmen, die einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommen und diesen auch für private Fahrten nutzen dürfen legen nicht immer täglich die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte mit diesem Dienstfahrzeug zurück.

In den Fällen, in denen das Dienstfahrzeug gelegentlich für die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte genutzt und im Übrigen in anderer Weise zum Arbeitsplatz gelangt wird, setzen die Finanzbehörden gleichwohl neben dem privaten Nutzungsvorteil von 1 % des Listenpreises am Tag der Erstzulassung den Zuschlag von 0,03 % des Listenpreises für die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte an.

Die steuerliche Belastung wirkt sich also für den Mitarbeiter höher aus, als die der tatsächlichen Nutzung für die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte entspricht.

Der BFH hatte hierzu bereits am 4. April 2008 (VI R 85/04) entschieden, dass bei einer nur gelegentlichen Nutzung eines Dienstwagens für die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte taggenau abzurechnen ist und widerspricht damit der Auffassung verschiedener Finanzämter, den pauschalen Monatsbetrag von 0,03 % ansetzen zu können. Gleichwohl hat die Finanzverwaltung einen entsprechenden Nichtanwendungserlass veröffentlicht, wonach diese Entscheidung des BFH nicht berücksichtigt werden soll.

Zwischenzeitlich hat das Finanzgericht Niedersachsen (14 K 60/09) erneut bestätigt, dass eine taggenaue Abrechnung der Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte zu erfolgen hat. Das Finanzamt hat hiergegen Rechtsmittel eingelegt, sodass der BFH neu entscheiden wird.

Wer sein Dienstfahrzeug weniger als 15 Tage im Monate für die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte nutzt und dies taggenau nachweisen kann, sollte gegen entsprechende Bescheide des Finanzamtes, die für den gesamten Monat die 0,03 %-Regelung zugrunde legen, Rechtsmittel einlegen und sich insoweit auf die Entscheidung des BFH aus dem Jahre 2008 sowie die Entscheidung des Finanzgerichtes Niedersachsen berufen. Das Verfahren wird dann entweder antragsgemäß zurückgestellt bis zur Entscheidung des BFH oder unter den Vorbehalt der Nachprüfung gestellt.