ist die bloße Arbeitsecke in der Wohnung dem häuslichen Arbeitszimmer steuerlich gleichzustellen?

Antwort: nach Ansicht des FG Köln „ja“.

Grundsätzlich sind die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers, welches der Steuerpflichtige zur Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit benötigt,  steuermindernd absetzbar, wenn die gesetzlichen Vorausstzungen erfüllt sind. Eine Voraussetzung ist die ausschließliche oder beinahe ausschließliche (90 %) Nutzung dieses Zimmers für berufliche Zwecke. Anderenfalls handelt es sich bereits nicht um ein häusliches Arbeitszimmer, so daß es auf die Kosten normalerweise nicht ankommt.

Anders wird die Sitution wider Erwarten jetzt vom FG Köln gesehen:

Das Finanzgericht Köln hat mit nicht rechtskräftigem Urteil vom 19.05.2011 (10 K 4126/09) entschieden, daß auch die Kosten eines Arbeitsbereiches, der im Wohnzimmer eingerichtet ist, steuerlich berücksichtigt werden können, selbst wenn der Raum selbst deutlich privat genutzt und nur ein geringer Teil der beruflichen Nutzung zugeordnet wird.

Nachdem der Bundesfinanzhof im Jahr 2009 zu der steuerlichen Berücksichtigung beruflich veranlasster Reisekosten entschieden hatte, daß auch gemischt veranlaßte Reisekosten hinsichtlich des trennbaren beruflichen Anteils steuermindernd durchschlagen, legt das FG Köln diesen Maßstab auch für die Berücksichtigung der Kosten des häuslichen beruflich veranlassten Arbeitsplatzes an.

Es geht davon aus, daß die Aufteilung zwischen beruflichem und privatem Anteil von Kosten auch in anderen Bereichen konsequenter Weise angewendet werden müsse und sich nicht auf Reisekosten beschränken dürfe, auch wenn der BFH in seiner vor der Reisekostenentscheidung ergangenen Rechtsprechung für das häusliche Arbeitszimmer eine beinahe ausschließliche berufliche Nutzung verlangte.

Die Aufwendungen für eine Arbeitsecke im Wohnzimmer sind nach der Entscheidung des FG Köln quotal im Verhältnis der privaten Nutzung des Raumes zur beruflichen Nutzung aufzuteilen und als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzusetzen. Ist ein Aufteilungsmaßstab nicht ersichtlich, ist eine hälftige Aufteilung steuerlich zulässig, wegen der nicht ausschließlich beruflichen Nutzung jedoch auf maximal 1.250,00 € im Jahr begrenzt.

Die Revision gegen die Entscheidung wurde durch das FG Köln zugelassen und seitens der Finanzbehörde eingelegt, so daß sich der BFH mit dieser Frage zu befassen haben wird.

Wer also einen Arbeitsbereich in seiner Wohnung benötigt, um seiner beruflichen Tätigkeit ganz oder zu wesentlichen Teilen nachzugehen, der kann die damit einhergehenden anteiligen Kosten bei Vorliegen der übrigen Kriterien des häuslichen Arbeitszimmers steuermindernd geltend machen, wenn er entweder hierdurch seine Werbungskostenpauschale überschreitet oder aber als Selbständiger durch Betriebsausgaben umsetzen kann. Ablehnende Bescheide des Finanzamtes wären mit dem Einspruch bis zur Entscheidung des BFH offen zu halten.