Künstlersozialkasse und Künstlersozialabgabe

Ein vielfach nicht beachtetes Feld ist das System der Künstlersozialkasse sowie die damit einhergehende sozialversicherungsrechtliche Abgabe.

In der Künstlersozialkasse sind Publizisten und Künstler sozialversichert und tragen in der Regel 50% Ihrer Beiträge selbst, die weiteren 50% werden durch Dienstgeber oder Bundeszuschüsse übernommen.

Voraussetzung für die Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse ist eine selbständige, nicht nur vorübergehende Tätigkeit als Künstler oder Publizist, die im Wesentlichen innerhalb Deutschlands ausgeübt wird. Werden bestimmte Mindestverdienstgrenzen nicht erreicht oder mehr als ein Mitarbeiter beschäftigt, scheidet die Versicherung in der Künstlersozialkasse aus.

„Künstler“ sind entgegen weitreichender Ansicht jedoch nicht nur beispielsweise Musiker, Maler etc., sondern Künstler ist jeder, der Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt.

Hierzu gehören auch Fotografen, Webdesign-Gestalter, Drucker mit darstellenden und bildenden Arbeiten, Choreographen, Alleinunterhalter und Clowns sowie Kabarettisten sowie nach einem aktuellen Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 27.01.2011 (L 1 R 226/07) auch Modedesigner. Das Gericht erkannte das Entwerfen und Herstellen von Braut- und Festmode als künstlerische Tätigkeit an und ließ daher die Modedesignerin auf ihren Antrag hin im Rahmen der gegen die Ablehnung geführten Klage zur Künstlersozialkasse zu. Ein Tätowierer wird dagegen nicht als Künstler im Sinne der Künstlersozialkasse angesehen.

Während einzelne Künstler sich bemühen, in der Künstlersozialkasse wegen der dort vergleichsweise geringen Beiträge versichert zu sein, lehnen sich andere Selbstständige aus dem künstlerischen Bereich gegen die Inanspruchnahme durch die Künstlersozialkasse auf.

Zu beachten ist, daß derjenige Unternehmer, der einen Künstler mit dessen Leistungen in Anspruch nimmt, einen Beitrag in die Künstlersozialkasse zu zahlen hat, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Wer also beispielsweise zu Werbezwecken Flyer erstellen läßt, die ein gewisses Design und eine künstlerische Gestaltung erfordern, beschäftigt für diese Leistungen einen Künstler. Wer sich ein Webdesign erstellen läßt oder einen Alleinunterhalter für eine Feier in Anspruch nimmt, hat für diese Leistungen Beiträge an die Künstlersozialkasse zu zahlen.

Wer also als Leistungserbringer im künstlerischen Bereich oder als Leistungsnehmer betroffen und interessiert ist, möge sich insoweit detailliert über seine Rechte und Pflichten informieren.

Unternehmen, die für die Inanspruchnahme künstlerischer Leistungen abgabepflichtig in der Künstlersozialkasse sind, die also nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten erteilen, haben die damit einhergehenden Entgelte zu dokumentieren und an die KSK zu melden.

Ferner ist zu berücksichtigen, daß im Rahmen von Sozialversicherungsprüfungen bei Unternehmen die Rentenversicherung berechtigt ist, auch die Prüfung der erforderlichen und erfolgten Abführung von Beiträgen zur Künstlersozialkasse vorzunehmen.